Lymphmassage | Was bringt eine Lymphmassage?

Lymphmassage Titelbild

Das Blutkreislaufsystem mit den Venen und Arterien ist bekannt. Doch unser Körper verfügt noch über ein weiteres Flüssigkeitssystem, dabei handelt es sich um das Lymphsystem. Durch unseren Körper schlängeln sich zahlreiche Lymphgefäße, die sich dann an einigen Stellen zu Lymphknoten vereinen.

Täglich transportiert das Lymphsystem zwei bis drei Liter Flüssigkeit (Lymphe) durch den Körper. Dieser Transport kann durch verschiedene Faktoren gestört sein, etwa bei Nierenschäden oder einer Infektionskrankheit. Mit einer Lymphmassage oder auch Lymphdrainage kann der Lymphfluss wieder in Gang gesetzt werden.

Was ist eine Lymphmassage?

Eine Lymphmassage kommt zur Behandlung von Lymphödemen zum Einsatz. Dieses entsteht, wenn der Lymphfluss in den Lymphbahnen gestört ist und sich Flüssigkeit staut. Ein Lymphödem erkennt man äußerlich durch gut sichtbare Schwellungen.

Sehr häufig treten Lymphödeme an den Armen und Beinen, also an den Gliedmaßen auf. Doch auch im Gesicht können sich solche Ödeme bilden. Um diese mit der Lymphmassage zu behandeln, muss die Massage öfters angewendet werden. Patienten erhalten in der Regel mehrmals am Tag eine Drainage, zumindest im Rahmen einer ärztlichen Entstauungs-Therapie.

Hier kommen neben der manuellen Lymphdrainage auch noch eine äußere Hautpflege, Bewegungsübungen und eine Kompressionstherapie zum Einsatz. Besonders gut sind Arme und Beine therapierbar, auch Gesicht und Rücken eignen sich für die Behandlung.

Welchen therapeutischen Nutzen hat eine Lymphmassage?

Das Lymphsystem kann an seine Grenzen kommen, wenn sich das Volumen der Lymphflüssigkeit erhöht. Zunächst kann der Körper das noch gut ausgleichen, die Lymphbahnen transportieren einfach mehr Flüssigkeit als es normal wäre. Doch irgendwann wird die Last zu groß und es bleibt immer mehr Flüssigkeit in den Gefäßen zurück.

Auf lange Sicht ist das ungesund, da es die Gefäße ernsthaft schädigen kann. Ursachen für eine Überforderung des Lymphsystems sind zum Beispiel ein angeschlagenes Lymphsystem selbst oder Infektionskrankheiten. Vor allem, wenn sich die Lymphknoten im Zuge der Infektion entzünden und sie dabei anschwellen, kann das den Lymphfluss stören.

Es bildet sich dann ein Lymphödem, welches dadurch entsteht, dass sich mehr eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe einlagert. Hier kommt dann die Lymphmassage ins Spiel, welche als MLD (Manuelle Lymphdrainage) bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine sanfte oberflächliche Massage.

Durch eine Bearbeitung der betroffenen Partien mit pump- und drehartigen Griffen beziehungsweise Schröpfgriffen, kommt es zu einer  Anregung des Lymphflusses . Ausschlaggebend für den Erfolg der Lymphmassage ist die richtige Druckausübung. Die Lymphgefäße befinden sich unter der Haut recht nah an der Oberfläche. Das heißt, der Druck darf nur sehr gering sein, damit die Lymphgefäße nicht zu sehr eingedrückt werden und der Abfluss dadurch gestört wird.

Die Lymphmassage kann als eine Art Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden. Nicht durch die Bewegungen selbst findet der Lymphfluss statt, sondern die Massage fördert die Kontraktionen in den betroffenen Lymphgefäßen. Dazu ist aber wie bereits beschrieben, der richtige Druck ausschlaggebend.

Neben der Stauungsminderung in den Gefäßen bringt die manuelle Lymphdrainage auch noch den Vorteil mit sich, dass sie  schmerzlindernd wirkt und sich positiv auf das Immunsystem  auswirken kann. Durch die Reduktion der Schmerzen verbessert sich als Konsequenz auch die Mobilität der Patienten.

Kann Lymphdrainage schädlich sein? Gibt es Risiken?

Eine Lymphmassage sollte nur von einer fachkundigen Person durchgeführt werden, das sind in der Regel Physiotherapeuten, die speziell dafür ausgebildet sind. Bei falscher Druckausübung kann das Ganze in die falsche Richtung gehen und der Lymphfluss eher behindert werden. An sich ist eine Lymphmassage aber nicht gefährlich. Allerdings gibt es eine Reihe von Beschwerden und Krankheiten, bei denen keine Lymphdrainage zum Einsatz kommen darf. Das sind folgende:

  • Krebserkrankungen
  • akute Entzündungsreaktionen des Körpers
  • Herzprobleme (Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, etc.)
  • Hypertonie (deutlich niedriger Blutdruck)
  • noch nicht abgeklärte Veränderungen der Haut
  • Thrombose (vor allem an den Beinvenen)
  • Durchblutungsstörungen
  • Schilddrüsenüberfunktion

In der Schwangerschaft sollte die Behandlung nicht angewendet werden. Wenn die manuelle Lymphdrainage ordnungsgemäß durchgeführt wird und die oben genannten Vorerkrankungen ausgeschlossen wurden, bestehen grundsätzlich keine Risiken.

Wie läuft eine Lymphdrainage ab?

Mit einer Lymphmassage werden die Lymphgefäße stimuliert, was wiederum den Abtransport der Lymphflüssigkeit fördert. Auch wenn es der Begriff Massage vermuten lässt, werden bei der Lymphmassage nicht die Schmerzrezeptoren der Haut aktiviert. Das wäre bei der klassischen Form der Massage der Fall.

Der Therapeut geht mit seinen Händen in kreisförmigen Bewegungen über die betroffenen Stellen. Dafür gibt es mehrere Arten von Griffen, zum Beispiel den stehenden Kreis, den Schröpf-, Dreh- oder Pumpgriff. Bei diesen vier Griffen handelt es sich um die Grundgriffe der Massage.

Je nach Bedarf und den Ursachen können dann noch weitere Ergänzungsgriffe hinzukommen. Wenn der Therapeut fertig mit seiner Behandlung ist, wird die betroffene Körperstelle eingewickelt, das nennt sich Kompressions-Therapie. Diese soll verhindern, dass sich das Ödem nach der Lymphmassage wieder ausbreitet.

Was muss ich nach einer Lymphdrainage beachten?

Nach der Lymphdrainage muss nichts Besonderes beachtet werden. Es gibt aber ein paar Tipps, mit denen das Lymphödem länger fernbleiben kann. Zum Beispiel ist es sinnvoll nach der Therapie,  lockere und bequeme Kleidung zu tragen , die nicht einschnürt und den Lymphfluss nicht noch zusätzlich von außen erschwert. Ebenso sollten keinen engen Ketten, Armbänder, Uhren und Schuhe getragen werden.

Auch auf seine Hautpflege kann der Patient achten. Bei einem Lymphödem vergrößert sich die Infektionsgefahr, deshalb sollte die Haut besonders gründlich gepflegt werden. Hier wird am besten auf eine pH-neutrale Pflege gesetzt. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass es zu keinen Verletzungen kommt. Schon kleinste Verletzungen können zu Infektionen führen, da sie bereits eine Eintrittspforte für Erreger sind.

Bei der Haus- und Gartenarbeit ist es ratsam, Handschuhe zu tragen. Zwischendurch sollten die Beine immer mal wieder hochgelagert werden, damit die Lymphe besser abfließen kann. Sport ist natürlich immer empfehlenswert, doch nach der Lymphmassage sollte es ruhiger angegangen werden. Moderate Aktivitäten und leichte Bewegungen, wie Spaziergänge oder Nordic Walking sind ideal.

Sonnenbäder, Saunabesuche und Schwimmbäder sollten erst mal gemieden werden. Durch solche Aktivitäten wird die Haut angegriffen. Ebenfalls verzichtet werden sollte auf Entwässerungstabletten. Es ist ein Irrglaube, dass durch diese der Lymphfluss angeregt wird. Dadurch, dass dem Körper Wasser entzogen wird, setzt sich mehr Eiweiß im Gewebe fest und das führt eher dazu, dass der Lymphfluss erschwert wird.

 

Wie funktioniert eine Lymphdrainage im Arm- und Handbereich?

Die Lymphdrainage ist durch eine bestimmte Reihenfolge gekennzeichnet, diese kann von proximal (körpernah) nach peripher (körperfern) erfolgen. Werden Arm und Hand behandelt, müssen zunächst die Lymphknoten im Achselbereich abgeregt werden.
Anschließend geht es über den Schulterbereich über den oberen Arm bis hin zu den Lymphknoten in der Ellenbeuge.

Als Nachbearbeitung wird die Lymphe über Pump- oder Kreisgriffe in Richtung der Venenwinkel geschoben. Damit geht es weiter runter zum Unterarm und schließlich bis zur Hand. Die Hand selbst wird mit speziellen Griffen bearbeitet, dabei werden alle einzelnen Finger eingeschlossen.

Dort, wo sich die Schwellung befindet, wird solange gearbeitet, bis das dort ansässige Gewebe weicher wird. Erst dann kann die Flüssigkeit weitergeschoben werden. Der Transport erfolgt bis zum nächsten Lymphknotenstamm.

FAQs

Ist die Lymphdrainage mit Schmerzen verbunden?

In der Regel treten bei der Lymphmassage keine Schmerzen auf. Sie spüren jedoch einen leichten Druck, es sind eine Art sanfte Druckwellen. Diese verlaufen von den Füßen bis hoch zu Ihren Hüften und Armen und bis zum Hals. Die Kontraktionen führen dazu, dass die Lymphe entstaut wird.

Wird eine Lymphdrainage von der Krankenkasse bezahlt?

Erhalten Sie von Ihrem Arzt einen Versorgungsschein können Sie diesen mitsamt der Rechnung bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Die Zahlung geschieht vom Patienten erst mal im Voraus. Ob und wie viel die Krankenkasse Ihnen rückerstattet, hängt von der jeweiligen Kasse ab. Darauf hat der Therapeut keinen Einfluss. Bei einer Privatversicherung werden die Kosten meist getragen.

Wie oft sollte die Behandlung stattfinden?

Wann und wie oft Sie eine Lymphdrainage durchführen lassen, besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten. Das Behandlungsintervall erörtern Sie gemeinsam in dem Beratungsgespräch, hier spielen vor allem die Art der Behandlung und der Behandlungsgrund eine Rolle. In der Regel besuchen Sie eins bis zweimal die Woche die Praxis, um eine Lymphdrainage durchführen zu lassen.

Wann zeigen sich erste Erfolge?

Wann Sie genau mit positiven Veränderungen rechnen können, hängt vom Schweregrad des Lymphödems ab. Es ist aber möglich, dass Sie bereits die ersten kleinen Erfolge nach der ersten Behandlung spüren. Manchmal dauert es aber auch etwas länger.

 

Quellen:

Dr. Melzer, M.: Lymphdrainage: Wann sie sinnvoll ist. Verfügbar unter: https://www.apotheken-umschau.de/Alternative-Medizin/Lymphdrainage-Wann-sie-sinnvoll-ist-217585.html. Stand: 17.01.2021.

Herpetz, U. (2013): Ödeme und Lymphdrainage, Schattauer Verlag. (5. Auflage)

Medi: Manuelle Lymphdrainage (MLD). Praktische Hilfe für Ödempatienten. In guten Händen bei der manuellen Lymphdrainage. Verfügbar unter: https://www.medi.de/gesundheit/diagnose-therapie/lymphoedem/lymphdrainage/. Stand: 18.01.2021.

 

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